Ehe für alle

Ehe vor Gott? Ach hör mich uff.

Und wer immer noch glaubt, die Ehe wird, zwischen einem Mann und einer Frau, vor Gott geschlossen, vergisst, dass es die Ehe schon gab, als von Gott noch lange keine Rede war. Ein Blick in die Vergangenheit der Ehe zeigt, dass da alles schon mal bei war, so wie:  Bruder und Schwester, Cousin und Cousine, Bruder und Bruder, Mann und Pferd, Frau und Buch, Mann und Barbie-Puppe, Frau und Felsen, Mann und Katze, Frau und Baum, oder auch mal, Frau heiratet sich selbst. Und das umfasst nur die jüngere Vergangenheit der Ehe.

Die Ehe, wie sie heute gerne noch von Konservativen bis Nationalkonservativen hoch gehalten wird, ist das Ergebnis Jahrhunderte langer kirchlicher Einmischung. Einer Kirche, in der vom Kardinal aufwärts bis zum Papst, die eigene Familie zur Machterhaltung und Machtausweitung diente. Eine Kirche, in der vom Priester bis zum Papst, Kinder und Geliebte normal waren und in der gerne auch mal das Hauspersonal geschwängert wurde. Eine Kirche, die gerne auch zum Massenmord aufgerufen (ältere Geschichte), oder ihn toleriert und Mörder und Helfern zur Flucht verholfen hat (jüngere Geschichte). Eine Kirche, die sich ihre Geschichte selber erstellt hat – und diese Geschichte ist für Menschen unter 18 Jahren nicht geeignet. Eine Kirche, deren Mitglieder so verblendet sind, dass sie jedes kirchliche Dogma für bare Münze und unumstößlich halten, weil sie glauben, das war alles schon immer so. Dabei wird vergessen, dass die Kirche auf einer Historie fußt, die tausende Jahre älter ist und aus ganz anderen Kulturkreisen zusammengetragen wurde.

Eine Tatsache im Bestehen der Menschheit ist es mit dieser Entscheidung also, dass sich nur einige Gesetze ändern und keine Gesetzmäßigkeiten.  Die Erde wird sich weiterhin um die Sonne drehen, sie wird auch weiterhin eine Kugel bleiben und die Evolution kann auch weiterhin, uneingeschränkt von eingeschränkten deutschen Christlich-Konservativen, in der Natur die Natürlichkeit der hetero- und homosexuellen Ausrichtungen bei allen Spezies, also auch bei uns Menschen, durch deklinieren.


Leitkultur

Der Begriff „Leitkultur“ wurde von dem Politologen Bassam Tibi im Jahr 1996 in die politikwissenschaftliche Debatte eingeführt. Er soll einen, auf europäischen Werten basierenden, gesellschaftlichen Konsens beschreiben. Seit einer Rede von Friedrich Merz (CDU) im Jahr 2000, wird der Begriff als Gegenbegriff zu multikulturellen Werten verwendet.

Wer sich ein klein wenig in der Historie der Gegend, die heute gemeinhin als Deutschland bezeichnet wird, auskennt, weiß, dass die Menschen in den letzten rund 500.000 Jahren in Mitteleuropa unter „Leitkultur“ im Wesentlichen eine rudimentär gemeinsame Schrift (Runen), sowie eine mehr oder weniger gemeinsame Glaubensgrundlage verstanden. Darüber hinaus wurde in jeder Sippe, jedem Stamm, eine eigene Kultur gepflegt und diese gegen andere Sippen/Stämme verteidigt. 

Das zeigt sich in Deutschland bis heute, in überwiegend klar von einander abgegrenzten Bundesländern. Bestrebungen, hier ein Land mit einheitlichen Grundsätzen zu schaffen, hat es in der jüngeren Vergangenheit mehrfach gegeben. Beispiele wären, die Römer (Augustus scheiterte im Ansatz), die Franken (eine Regierungszeit unter Karl d.G.), die Preußen (konnten sich im Westen nie wirklich durchsetzen), Napoléon I. (kam über das Rheinland nie wirklich hinaus), Hitler (scheiterte zum Glück ebenfalls). 

Alle Versuche in der Neuzeit, für gesamt Deutschland eine einheitliche „Leitkultur“ zu schaffen, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt, da sich die Struktur Deutschlands, Sippe/Stamm, zumindest seit der Jungsteinzeit nicht gravierend geändert hat. Der in 500.000 Jahren gewachsene multikulturelle Wertekanon, erweist sich als hartnäckig gewachsene Kruste für die Gemeinschaft aller Mitteleuropäer, gegen alle Spaltungsversuche.

Anders gesagt, da hat ein Politiker da mal das Wort „Leitkultur“ verwendet und alle Anderen haben für sich entschieden, das klingt gut, das kann man brauchen. Seitdem wird der Begriff, inhaltsleer, da es ja Politiker verstehen sollen, von jedem als totes Pferd durch diverse Diskussionsrunden geritten. Aber es amüsiert, dass sich jeder an dem Begriff aufgeilen kann.


Bayerns Innenminister fordert Zugang zu WhatsApp

Meine erste Reaktion war, „wann’s ihm freid, richtet eahm do oan Account a“.

Aber im Ernst… Es ist ein nachvollziehbarer Wunsch der Regierungen, ihren Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten zu ermöglichen, persönliche Nachrichten ihrer Bürger lesen zu wollen. Den Wunsch hat es schon immer gegeben und er wurde, Diktaturen sind da gute Beispiele, oft mehr oder weniger gut umgesetzt. Effektiv war es dennoch nie, da es für den, der etwas verheimlichen will, immer ausreichend Alternativen gibt. Der Wunsch einiger Innenminister diverser demokratisch orientierter Länder, eben den Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten zu ermöglichen, Messenger-Nachrichten mitlesen zu können, ist vor dem Hintergrund verständlich. 

Allerdings leben wir nicht mehr im Zeitalter der in Stein gemeißelten, auf Tierhäute, Bambusstreifen, Birkenrinde, oder Papyrus geschriebenen Nachrichten. War es in diesem Zeitalter schon möglich, Nachrichten von A nach B zu bringen, hat sich die Technik, abseits des Vorstellungsvermögen der Politiker, dramatisch weiter entwickelt. Eben diese Politiker versteifen sich auf die Kontrolle von WhatsApp und Facebook-Messenger und übersehen die Vielzahl anderer Nachrichtenmöglichkeiten in der digitalen Welt – ich bin mir sogar sicher, diese Politiker ahnen nicht einmal die Vielzahl der nutzbaren Messenger-Alternativen.

Welche Möglichkeiten, Kontrolle zu ermöglichen, gibt es. Zum Einen könnten Staaten die vielen verschiedenen Smartphonehersteller „dafür interessieren“, in ihre Geräte „Hintertüren“ einzubauen. Nachteil: Sobald einzelne, oder eine Gruppe ambitionierter Programmieren diese entdecken, kann der betreffende Smartphone-Hersteller, für seine eigene Marke eigentlich schon Konkurs anmelden. So wichtig ist kein Markt der Welt, dass sich für ein Unternehmen das Risiko wirklich lohnt. 

Zum Anderen könnten Apple und Google, die Anbieter der größten Smartphone Betriebssysteme, „in die nationale Pflicht“ genommen werden, Zugang zu ihren Systemen zu ermöglichen. Gut, die U.S. Justiz hat heute schon arge Probleme, von Apple auch nur im Ansatz eine, über die eigenen Philosophie hinausgehende Art von Kooperationsbereitschaft einzufordern. Bei Google ist es noch schwieriger, da die es nicht einmal schaffen, alle Smartphones mit dem hauseigenen Android-System selber jeweils auf dem neuesten Stand zu halten. Hier bastelt jeder Hersteller „im eigenen Keller“ rum. 

Eine weitere Möglichkeit wäre, die Messengerdienste zu „überreden“, „Hintertüren“ in ihre Programme einbauen. Kann man machen, aber, ob jetzt ein schweizer Anbieter eines Messengerdienstes mit eigenen Servern auf schweizer Boden, sich um Anfragen, oder gar Weisungen z.B. eines bayrischen CSU Innenministers beugt, oder doch eher belustigt zeigt, ich mag das nicht beurteilen. Bei Messengerdiensten mit Servern auf russischem, chinesischem oder israelischem Boden, sieht es wohl nicht wirklich besser aus. Fakt ist, die technische Entwicklung ist an den Politikern, die sich für „the top of modern People“ halten, weil sie es schaffen zu twittern, im Laufschritt vorbei gegangen. Von daher kann auch der Innenminister der postköniglichen Republik und Nach-Strauß-Regierung, mit Tendenzen zur Totalüberwachung, in Bayern fordern, was er will – umsetzen lässt es sich letztlich nicht wirklich. Die alternativen Möglichkeiten sind dafür zu vielfältig.